Auf geht-s-der Reha-Podcast!

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00:00:00: Ein Reha-Ziel ist nicht gut, weil es fachlich klingt.

00:00:04: Es ist gut wenn der betroffene Mensch darin sein Leben wieder erkennt.

00:00:11: Heute geht es um Reha Ziele.

00:00:13: Wer entscheidet eigentlich wohin die Reise geht und woran erkennen wir ob ein Ziel wirklich trägt?

00:00:22: Mehr dazu wie immer nach dem Intro Ja, schön dass ihr wieder dabei seid bei einer neuen Sendung von Auf geht's der Reha Podcast.

00:00:48: Heute bin ich mal hier in Bremen und ja, ich nutze eine kleine Pause Und ich erzähle euch heute Mal von Miriam.

00:00:54: Der Name und die Einzelheiten sind wie immer verändert Und nach so einem schweren Unfall war Miriam eine längere Zeit in stationärer Behandlung.

00:01:03: In den Unterlagen standen viele Ziele, so Kraftverbessern, Beweglichkeitssteigern Belastbarkeit erhöhen und ja die Selbstständigkeit fördern.

00:01:14: Das war sicherlich fachlich nicht falsch aber im Gespräch fragte ich da Miriam was sie selbst so als erstes wieder können möchte und wollte oder wie man es auch sagen will.

00:01:24: Und ihre Antwort war ja sehr konkret, ich möchte meine Tochter morgens wieder zur Schule bringen.

00:01:30: das ist für mich mega wichtig!

00:01:32: Dieser Satz verändete auch das ganze Gespräch denn dafür braucht Miriam natürlich nicht nur Kraft Sie muss natürlich auch Treppen bewältigen sie muss sich rechtzeitig fertig machen sie muss Wege planen und an einem schlechten Morgen muss sie sicher handeln können.

00:01:48: Und aus einem allgemeinen Therapieziel wurde ein Teilhabeziel mit viel Bedeutung.

00:01:55: Also Rehabilitation findet also nicht nur in der Akte statt, sondern sie findet für die Menschen im Leben statt und deswegen müssen Ziele gemeinsam mit den betroffenen Personen auch entwickelt und verständlich formuliert werden.

00:02:09: Das Wunsch- und Wahlrecht im SGB IX betont berechtigte Wünsche Selbstbestimmung und die Zustimmung der leistungsberechtigten Personen, wie das so schön heißt.

00:02:21: Das ersetzt aber keine fachliche Prüfung und setzt auch eine klare Richtung irgendwo.

00:02:29: ein Wunsch ist noch nicht automatisch im fertiger Plan.

00:02:34: Aber auch ohne den Wunscht wird häufig ja der Maßstab an dem Maßnahmen bewertet werden können.

00:02:40: bei Miriam gab es drei vier Perspektiven.

00:02:45: Die Therapie wollte körperliche Funktionen wieder verbessern.

00:02:49: Die Familie wünschte eine schnelle Entlastung, ein beteiligter Kostenträger brauchte nachvollziehbare und überprüfbare Schritte.

00:02:58: Und ja diese Perspektiven mussten nicht gegeneinander ausgespielt werden sondern sie mussten übersetzt werden.

00:03:06: was genau braucht Miriam für den morgendlichen Schulweg?

00:03:10: Was kann Sie heute?

00:03:14: Ein tragfähiges Ziel beantwortet vier Fragen.

00:03:18: Was soll im Allentag möglich werden, unter welchen Bedingungen?

00:03:24: Bis wann prüfen wir den Fortschritt und woran erkennen wir dass eine Anpassung nötig ist.

00:03:32: Ziele dürfen groß sein Teilziele müssen konkret genug sein damit man Entscheidungen treffen kann sonst Samen sich nämlich Maßnahmen aneinander und ohne das klar ist, wozu sie überhaupt dienen.

00:03:48: Nehmen wir den Satz Mirian soll selbstständiger werden.

00:03:51: Das klingt zunächst mal super positiv Ist aber irgendwie nicht überprüfbar Selbstständig Wobei im Bad auf der Treppe unterwegs oder bei Terminen zum Beispiel beim Arzt besser ist.

00:04:04: Miriam bewältigt den Weg von der Wohnung bis zur Schule mit einer festgelichten Unterstützung, sicher und ohne Überforderung.

00:04:15: Dann lässt sich wirklich auch prüfen was hilft!

00:04:19: Nicht die Maßnahme ist das Ziel sondern die Maßname ist ein Weg zum Ziel.

00:04:24: Das klingt irgendwie selbstverständlich aber in komplexen Fällen wird es trotzdem schnell verwechselt will ich mal sagen.

00:04:32: dann wird die Fortsetzung einer Therapie zum Ziel obwohl noch niemand geprüft hat, ob sie den gewünschten Alltagsschritt wirklich jemand näher bringt.

00:04:43: Zielklärung bedeutet auch Konflikte sichtbar zu machen.

00:04:48: vielleicht möchte jemand schnell zurück in den alten Beruf obwohl aktuelle Belastbarkeiten ja noch gar nicht so wirklich ausreichen.

00:04:56: Und dann darf man den Wunsch nicht einfach so abräumen, sondern man muss gemeinsam Zwischenziel entwickeln und oft benennen welche Risiken denn überhaupt bestehen.

00:05:05: Man muss da wirklich drauf eingehen.

00:05:07: Bei Miriam wurde der Schulweg zunächst begleitet und erprobt.

00:05:12: die Therapien oder die Therapie griff konkrete Treppen- und Ausdauersituationen auf.

00:05:19: Da haben Ergo und Physo zusammengearbeitet.

00:05:22: Der Tagesablauf wurde so geplant, dass morgens wirklich genug Kraft vorhanden war und nach einigen Wochen zeigte sich der ganze Weg war noch wirklich viel zuviel.

00:05:31: Das Ziel wurde zwar nicht aufgegeben aber die Unterstützung wurde angepasst verändert und ja der Prüfzeitpunkt wurde neu vereinbart und etwas nach hinten gelegt.

00:05:42: das ist keine Beliebigkeit sondern gute Ziele werden fortgeschrieben.

00:05:46: wenn neue Informationen vorliegen ist es ganz wichtig weiterzudenken.

00:05:51: Ein starrer Plan kann genauso ungeeignet sein wie so ein planloser Verlauf.

00:05:57: Wenn du selbst betroffen bist, sag nicht nur welche Therapie du möchtest – erkläre was du in deinem Alltag wieder tun willst und warum es dir wichtig ist.

00:06:08: das ist wichtig!

00:06:09: Frag nach wie eine vorgeschlagene Maßnahme zu diesem Ziel wirklich beiträgt und bitte darum dass Ziele in verständlichen Worten festgehalten werden.

00:06:21: Wenn du als Anwältin oder Anwalt so ein Fall begleitest, hilft dir dabei ja vielleicht Mandatenzieile ganz konkret zu beschreiben.

00:06:30: Achte darauf dass sie nicht durch allgemeine Wischivaschiformulierung in Berichten verschwinden sondern das es konkret wird.

00:06:38: und wenn du bei einer Haftpflichtversicherung arbeitest sind klare Ziele natürlich für dich auch hilfreich.

00:06:43: Sie machen Maßnahmen Fortschritte und notwendige Anpassungen Nachvollziehbar.

00:06:51: Für alle gilt also, niemand sollte so Ziele alleine festlegen, medizinische Einschätzung, Alltagserfahrung und Zuständigkeiten.

00:07:00: Er müssen zusammengebracht und verknüpft werden.

00:07:03: Bei Miriam war es so dass sie ihre Tochter wieder später zur Schule gebracht hat nicht jeden Tag und auch nicht ohne Hilfe aber der Weg war sicher geplant für die Familie wirklich verlässlich Und der Erfolg bestand nicht darin, dass ein Satz irgendwie so im Bericht abgehakt wurde.

00:07:23: Er bestand darin das ein wichtiger Teil ihres Lebens wieder möglich wurde.

00:07:29: Ein häufiger Fehler ist Ziele nur aus Berichten zu übernehmen.

00:07:34: Dort stehen notwendige medizinische Begriffe beispielsweise und für die gemeinsame Planung müssen sie aber in beobachtbare Alltagsschritte übersetzt werden zu viele Ziele gleichzeitig wichtigzunehmen und zu behandeln.

00:07:52: Dann konkurrieren zum Beispiel Termine bei Therapien, die Energie geht damit flöten.

00:07:58: Eine klare Prioritätenliste hilft, die nächsten Wochen oder Monate sinnvoll zu gestalten.

00:08:05: Priorität heißt nicht, dass andere Lebensbereiche irgendwie vergessen werden.

00:08:09: Es heißt es geht darum eine Reihenfolge zu vereinbaren.

00:08:14: was muss Erst gelingen, damit der nächste Schritt überhaupt möglich ist.

00:08:20: Ziele brauchen außerdem eine Ausgangswage.

00:08:24: Wenn nicht beschrieben ist was heute gelingt und welche Unterstützung nötig ist lässt sich später kaum beurteilen ob sich überhaupt eine Veränderung ergeben hat und ob die eingetreten ist.

00:08:37: Auch die Sprache ist unheimlich wichtig.

00:08:39: Die betroffene Person sollte den Zielsatz verstehen und wieder geben können.

00:08:45: Daran scheitert es manchmal.

00:08:47: Unverständliche Formulierungen erschweren Mitwirkung und führen schnell zu irgendwelchen unterschiedlichen Erwartungen auch.

00:08:54: Manche Ziele verändern sich im Laufe der Zeit, weil zum Beispiel neue Fähigkeiten entstehen.

00:09:00: Andere verändern sie, weil Grenzen deutlicher oder klarer werden.

00:09:07: Beides gehört zu einer ehrlichen Fortschreibung von Plänen und Zielen.

00:09:12: Und ist nicht automatisch ein Erfolg oder ein Misserfolg.

00:09:16: Bei Zielkonflikten hilft eine offene Abwägung, welche Nutzen verspricht irgendein Weg, welche Belastungen entstehen, welche Alternativen gibt es?

00:09:28: Wer trägt welche Entscheidung auch mit?

00:09:32: Am Ende sollte nicht nur dokumentiert sein, welches Ziel erreicht wurde sondern ebenso wichtig ist welche Unterstützung dauerhaft bleibt und woran ein späterer Bedarf erkannt werden kann.

00:09:46: Mein Merksatz für heute ist Reha-Ziel trickt dann wenn es für den Menschen Bedeutung hat und fachlich erreichbar erscheint und gemeinsam überprüft werden kann.

00:09:58: Das war es, wie immer von mir hier heute aus dem Schönen Bremen.

00:10:02: Ich wünsche euch eine schöne Zeit und bleibt vor allem gesund bis vielleicht in zwei Wochen!

00:10:23: Tschüss!

Über diesen Podcast

Der "Auf geht's - der Reha-Podcast" richtet sich an (Verkehrs-)Unfallopfer und deren Angehörige, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Versicherungen die sich mit Personenschadenmanagement beschäftigen sowie an alle an sozialer, medizinischer und beruflicher Rehabilitation Interessierten. Ohne Fachsprache unterstützt der "Auf geht's - der Reha-Podcast!" Verkehrsunfallopfer und deren Angehörige bei Ihrer Veränderung.

von und mit Jörg Dommershausen

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